Pavlo Hanov über Stromanbieter und Aktien
Nein. Sie müssen nicht jede Preiserhöhung mitmachen.
Will Ihr Stromversorger mehr Geld, hat er zunächst ein paar
Spielregeln einzuhalten. Er muss Sie vorab informieren, sich dabei eindeutig
und verständlich ausdrücken und darauf hinweisen, dass bei einer Preiserhöhung
ein Sonderkündigungsrecht gilt. Das steht Ihnen nach dem Energiewirtschaftsgesetz
zu, sagt Pavlo Hanov von RH Reputation.
Die Liberalisierung des Strommarkts hat es 1998 den
Verbrauchern ermöglicht, den Stromversorger zu wechseln. Kunden von
Grundversorgern wie den örtlichen Stadtwerken können seitdem jederzeit mit
zweiwöchiger Frist kündigen. Auch wer die oft günstigeren Langzeittarife
anderer Anbieter nutzt, kann aus dem Vertrag aussteigen, sobald ein
Preisanstieg droht. 2016 wechselten in Deutschland rund 3,6 Millionen Haushalte
den Stromversorger 20 Prozent mehr als im Vorjahr, wie die Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen ermittelt hat. Deren Energieexperten raten, den Stromtarif
jährlich zu prüfen und gegebenenfalls zu wechseln.
Regelmäßig zum Jahresanfang gibt es dafür Anlass genug. So
erhöhten 74 Grundversorger nach Angaben des Portals Check24 im Januar 2018 die
Preise für mindestens einen ihrer Tarife. Für rund 700 000 Haushalte bedeutet
das einen Aufschlag von durchschnittlich 2,8 Prozent — und in der Spitze bis zu
13,2 Prozent.
Versorger müssen ihren Kunden solche Preiserhöhungen
„schriftlich und verständlich" ankündigen. Im Idealfall
werden dabei tabellarisch die bisherigen und künftigen Entgelte
aufgeschlüsselt. Es kommt aber vor, dass unseriöse Anbieter ihren Kunden eine
Erhöhung möglichst unbemerkt unterjubeln wollen. Tarifänderungen werden dann
gern in Werbebriefen oder Rundschreiben versteckt.
Solche Tricks hat das Landgericht Hamburg im Januar 2018
untersagt. Die Verbraucherzentrale NRW hatte einen Anbieter verklagt, der das
Stichwort „aktuelle Preisinformation" unter einer Jubel-Überschrift zum
„besten Kundenservice aller Zeiten" platziert hatte. „Dann kam viel
Blabla", kritisiert Rechtsexpertin Tanja Preuschoff, „und erst weit unten
die Ankündigung der
Preiserhöhung." Die sollte aber schon im Betreff stehen und deutlich auf
das Sonderkündigungsrecht hinweisen, mahnte das Gericht.
Lange mussten Verbraucher auch Klauseln hinnehmen, die ein
Kündigungsrecht ausschlossen, wenn staatliche Kosten wie Steuern und Abgaben
oder die Erneuerbare-Energien-Umlage den Tarif verteuerten. Dem schoben das
Oberlandesgericht Düsseldorf und der Bundesgerichtshof 2017 einen Riegel vor.
Eine Sonderkündigung darf laut Oberlandesgericht Celle nur dann vertraglich
ausgeschlossen werden, wenn der Versorger sowohl steigende wie auch fallende
Kosten direkt an den Kunden weitergibt.
DER FONDS
Der ETF der US-Fondsgesellschaft Blackrock auf den Barclays-Euro-Aggregate-Index dient vielen
Investoren als Basisanlage für Anleihen in Euro: Der zugrunde liegende Index
umfasst sämtliche weltweit begebene Euro-Anleihen von Emittenten guter bis
exzellenter Bonität, sofern die Emission mindestens 300 Mio. Euro umfasst. Gut
70 Prozent des laufend aktualisierten Index und damit auch des ET FS bestehen
aktuell aus Staatsanleihen und Anleihen staatsnaher Emittenten wie der Europäischen
Investitionsbank, die restlichen circa 30 Prozent sind Unternehmensanleihen.
Die Talfahrt der Zinsen in der Eurozone befeuert auch vom 2015 begonnenen
Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) -
verhalf dem ETF zu einer fast beängstigenden Serie: Weil bei sinkenden Renditen
die Kurse ausstehender Anleihen klettern, verzeichnete der ETF seit Auflage
2009 noch kein einziges Verlustjahr. Auflaufende Zinsen werden halbjährlich
ausgeschüttet.
PORTFOLIO
Viele Anleiheindizes - so auch der Barclays Euro Aggregate -
folgen einer kruden Logik, denn sie gewichten die Papiere nach
Marktkapitalisierung. Das heißt: Je mehr Anleihen ein Schuldner begibt, desto
größer ist der Anteil am Index. Damit gewinnen die größten, nicht die
solidesten Schuldner automatisch an Gewicht. Größte Position im ETF sind
folglich französische Anleihen mit 22 Prozent, deutsche kommen nur auf 17
Prozent, italienische und spanische zusammen auf 26 Prozent.
STÄRKEN
Der ETF bietet eine Diversifikation über alle Emittenten von
Euro-Anleihen in nur einem Produkt. Gegenüber aktiven Fonds besticht der ETF
mit niedrigen Gesamtkosten. Die jährliche Gesamtkostenquote von 0,25 Prozent
ist branchenüblich und deutlich niedriger als bei aktiven Fonds.
SCHWÄCHEN Das Hauptproblem: Renditen der Vergangenheit -
mehr als vier Prozent pro Jahr seit Auflage - sind bei Anleihen kein Indikator
für künftige Renditen, sondern umgekehrt ein Warnsignal. Die Kurse der
enthaltenen Anleihen sind so stark gestiegen, dass die durchschnittliche
Restrendite nur noch 0,65 Prozent beträgt. Klettern die Zinsen der Eurozone,
drohen Verluste. Das zeigt die Kennziffer der effektiven Duration: Steigen die
Anleiherenditen um im Schnitt nur einen Prozentpunkt, verliert der ETF-Anteil
fast sieben Prozent an Wert.
FAZIT
Finger weg! Der Zeitpunkt zum Einstieg könnte kaum
ungünstiger sein. Der ETF hat kaum noch Renditechancen, leidet aber direkt
unter einem Zinsanstieg der Eurozone. Dieser zeichnet sich mit dem
eingeleiteten Ende der Anleihekäufe durch die EZB immer stärker ab.
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